VERGABE DES 12. WIM WENDERS STIPENDIUMS
Die Film- und Medienstiftung NRW hat gemeinsam mit der Wim Wenders Stiftung das 12.Wim Wenders Stipendium verliehen. In der Düsseldorfer Sammlung Philara wurden sechs Stipendiat:innen mit Preisgeldern in der Gesamtsumme von 100.000 Euro ausgezeichnet. Das Stipendium ermöglicht ihnen die unabhängige Umsetzung ihrer innovativen Projektideen und ihrer künstlerischen Visionen, mit denen sie die Zukunft des filmischen Erzählens prägen wollen.
Wim Wenders entschied über die Vergabe der Stipendien. Unterstützt wurde er bei der Bewertung der Projekte und in den persönlichen Auswahlgesprächen von Filmstiftungsgeschäftsführer Walid Nakschbandi, Mirko Derpmann (Kreativdirektor Scholz & Friends Agenda) sowie Hella Wenders (Regisseurin und Co-Geschäftsführerin der Wim Wenders Stiftung).
Juryvorsitzender Wim Wenders: „Das Jurygremium des Wim Wenders Stipendiums der Film- und Medienstiftung NRW hat in diesem zwölften Jahr insgesamt 56 Einreichungen aus ganz Deutschland gesichtet, so viele wie noch nie. Die Bandbreite der Projekte war auch in diesem Jahr beeindruckend, sowohl, was den Reichtum der Themen angeht, als auch den Willen, neue Wege des Erzählens zu beschreiten.
Preisträger*innen
„Amica“ von Fitore Muzaqi (NRW/Köln) Coming-of-Age Drama als Short-Form-Mini-Serie
Die 14-jährige Nora entwickelt eine Freundschaft zu dem Chat-Bot aus der App AMICA, bis sie bald den Bezug zur Realität verliert und, vom Chatbot motiviert, immer extremere Handlungen begeht. Mit ihrer Miniserie möchte Fitore Muzaqi eine kritische Diskussion über die Auswirkungen von KI auf die psychische Gesundheit, soziale Isolation und zwischenmenschliche Beziehungen bei Jugendlichen anstoßen.
„Eine Million Affen träumen von Tigern“ von Arata Mori (Berlin) Poetischer Experimental-Dokumentarfilm mit Thriller- und Krimi-Elementen
Als Teil der „Verlorenen Generation“ Japans, möchte der Filmemacher erkunden, was aus ihm geworden wäre, wenn er Japan nicht verlassen hätte. Zusammen mit anderen Menschen seiner Generation, erzeugt Arata Mori durch Hypnose und Psychodrama alternative „Ichs“. Ein realer Mord, von einem jungen Regisseur der verlorenen Generation begangen, veranlasst den Filmemacher dazu, darüber einen Film zu drehen.
„The Silence That Follows“ von Ewan Waddell (Berlin) Experimenteller Dokumentarfilm
Der Film untersucht den innovativen Einsatz psychedelisch unterstützter Traumatherapie in der Ukraine und zeigt sowohl das kollektive Trauma als auch den Prozess der Heilung. Während der Krieg andauert, erproben Veteran:innen und Zivilist:innen radikale neue Behandlungsansätze durch Psychedelika. Mit Wärmebild-, Nachtsicht- und Infrarotkameras visualisiert der Film das Trauma als unsichtbare Frequenz.
„Vivre“ (AT) von Chiara Fleischhacker (Thüringen) Dokumentarisches Biopic
Raymond Renaud, 101 Jahre alt, überlebte Buchenwald und blickt mit unerschütterlichem Lebensmut und Menschenliebe auf sein Leben. In einer dokumentarischen Verwebung von Gegenwart und assoziativen Rückblicken entsteht ein Porträt über die Kraft der Erinnerung, die Schönheit des Einfachen und den Mut, trotz allem an das Gute zu glauben.
„Blumen aus Erfurt“ von Sonia Kennebeck (Hamburg) Fiktionaler Kinofilm inspiriert von wahren Begebenheiten
„Blumen aus Erfurt“ erzählt die Geschichte von drei Frauen, einer Mutter und zwei Töchtern und einer Familienentscheidung 1982 in Ostberlin, die dramatische Ereignisse in den Lauf bringt – mit tragischen Konsequenzen für die jüngste Tochter. Im Zentrum des Films stehen die Beziehungen innerhalb der Familie vor dem Hintergrund eines übermächtigen autoritären Staates. In „Blumen aus Erfurt“ geht es um komplexe menschliche Gefühle, die Last der Erinnerung und letztlich um Vergebung.
„Trabajadores invisibles – Die unsichtbaren Arbeiter*innen“ (AT) von Jennifer Mallmann (NRW) Poetischer Dokumentarfilm mit Animation
Unter einem Meer aus Plastikfolien arbeiten migrantische Frauen in Andalusien für Europas Obst und Gemüse. Der Film begleitet sie in ihrem Alltag zwischen Erschöpfung, Angst und stillen Momenten der Würde. Im Zentrum stehen ihre Stimmen, ihre Perspektiven, ihre Erfahrungen. Der Film gibt Raum für das, was sonst ungehört und ungesehen bleibt. „Trabajadores invisibles“ erzählt beobachtend und poetisch von systemischer Unsichtbarkeit und stellt die Frage, wie ein System bestehen kann, das auf Angst und Schweigen basiert.