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Zum siebten Mal hat die Film- und Medienstiftung NRW gemeinsam mit der Düsseldorfer Wim Wenders Stiftung das Wim Wenders Stipendium verliehen. Das renommierte Stipendium, das jährlich mit einer Gesamtsumme von 100.000 Euro ausgelobt wird, ermöglicht jungen Filmemacher*innen, die mit neuen Mitteln erzählen wollen, eine unabhängige Entwicklung ihrer filmischen Ideen. Die Pitching-Session fand in diesem Jahr digital statt.

Aus insgesamt 33 Anträgen wählte die Jury –  bestehend aus Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW, und Mirko Derpmann, Kreativdirektor Scholz & Friends Agenda, und dem Vorsitzenden Wim Wenders – sechs Projekte aus. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren die stoffliche Originalität und eine überzeugende visuelle Konzeption.

Seit nunmehr vier Jahren veranstaltet die Wim Wenders-Stiftung gemeinsam mit der Film- und Medienstiftung ein Kolloquium mit den Stipendiat*innen der beiden Vorjahre. Hier erhalten die Stipendiat*innen die Gelegenheit, der Jury und insbesondere Wim Wenders über den aktuellen Stand ihrer geförderten Projekte zu berichten und erste Arbeitsproben zu zeigen. Nicht zuletzt unterstützen sie sich so gegenseitig bei der Weiterentwicklung ihrer filmischen Vorhaben. In diesem Jahr wird das Kolloquium zeitnah als Online Konferenz stattfinden.

Das Wim Wenders Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW wurde erstmals 2014 gemeinsam mit der Wim Wenders Stiftung vergeben. Seither wurden 31 Stipendien mit einer Gesamtfördersumme von fast 700.000 Euro verliehen. Über die Vergabe entscheidet eine Jury, bestehend aus Wim Wenders (Vorsitz), Filmstiftungs-Geschäftsführerin Petra Müller und Mirko Derpmann (Scholz & Friends), im Rahmen eines zweistufigen Bewerbungsverfahrens. Nach einer Vorauswahl werden die Kandidat*innen eingeladen, ihre Projekte vor der Jury zu präsentieren. Neben inhaltlichen Kriterien geht es vor allem auch um die überzeugende formale und visuelle Gestaltung der Projektideen.

Preisträger

Aus-ländervon Loreto Quijada
Immersive Film-Projektion im öffentlichen Raum (Straßenkinos), 25.000 Euro

In Zeiten der globalen Pandemie möchte die chilenische Regisseurin, die in diesem Jahr ihre Ausbildung an der ifs internationale filmschule köln abschloss, Kino als soziales Instrument neu bewerten und Veränderungen anstoßen. „Aus-länder“ ist ein Film über die Migrationsgeschichte Nordrhein-Westfalens, zugeschnitten auf einen spezifischen (Projektions-)Ort, der die lokalen Bedingungen wie z.B. Bäume, Bänke, Steine mit einbezieht und als narrative Werkzeuge berücksichtigt. Ein Straßenkino-Konzept, das den Dialog zwischen Wänden und Objekten im öffentlichen Raum eröffnen will.

San Salvador von Felix Reinecker
Animationsfilm, 20.000 Euro

Der Literaturvorlage „San Salvador“ von Peter Bichsel folgend, gelangt Protagonist Paul, ein Familienvater mittleren Alters, über das Zeichnen von Wellenlinien und seiner Initialen schließlich zu dem Satz: „Mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika.“ KHM-Absolvent Reinecker verknüpft Pauls gedankliche Fluchtfantasien mit Szenen der modernen Großstadt Düsseldorf im digitalen Zeitalter und Sehnsuchtsmotiven einer fernen südlichen Gegenwelt.

Pestizid von Christian Zipfel
Romeo-und-Julia-Drama im Pott, 20.000 Euro

Ansgar stammt aus schwierigen Verhältnissen und es fällt ihm schwer, im gesellschaftlichen Leben Anschluss zu finden. Eines Tages lernt er Jule kennen und verliebt sich sofort. Die beiden werden ein Paar und versuchen ein normales Leben zu führen – doch das ist nicht einfach: Jule kommt im Gegensatz zu Ansgar aus elitären Verhältnissen und lebt mit einer geistigen Behinderung. Die fragile und intensive Liebe steht dauerhaft auf dem Spiel, denn Jules und Ansgars toxisches Umfeld toleriert ihre ungewöhnliche Beziehung nicht. Ein Drama klassischen Ausmaßes nimmt seinen tödlichen Lauf. Zipfel studierte Filmregie an der ifs internationale filmschule köln und schloss im Anschluss ein Studium der Dokumentarfilmregie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf ab.

W von Leri Matehha
Hybrid aus Spiel- und Dokumentarfilm, 15.000 Euro

Anfang des 20. Jahrhunderts: Deutsche Körperkult-Enthusiasten gehen auf der tropischen Insel „W“ ihren Ritualen nach – mentalen Übungen, Fastenzeremonien, Ausdruckstänzen, exzessiver sportlicher Betätigung und der Pflanzenkunde. Nachts werden sie von dystopischen Träumen über die Routen jüdischer Flüchtlinge durch Frankreich heimgesucht. Zunehmend identifizieren sich die Inselbewohner mit den Verfolgten und ihrer verzweifelten Flucht vor den Nazis. Ihr Studium an der KHM schloss Leri Matehha letztes Jahr ab.

Stille Beobachter von Eliza Petkova und Constanze Schmitt
Das etwas andere Tierportrait, 10.000 Euro

Arkan, Tonka, Doncho, Walya und Marga leben in Pirin, einem kleinen bulgarischen Bergdorf. Bei den fünf Protagonisten handelt es sich um Tiere: Hund, Pferd, Esel, Ziege und Katze. Die Kamera nimmt ihre Sicht an und dokumentiert das Verhältnis zu ihren menschlichen Bezugspersonen. Diesmal beobachtet das Tier den Menschen und nicht anders herum. Regisseurin Eliza Petkova studierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und anschließend an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin ebenso wie Constanze Schmitt. Beide haben bereits einige gemeinsame Arbeiten realisiert.

Kaftans Reise von Arne Körner
Langspielfilm, 10.000 Euro

Kaftan ist Bibliothekar in den Hamburger Bücherhallen und ein einsamer Mensch, ein Sonderling. Nach getaner Arbeit entflieht er der heimischen Tristesse, indem er sich als Tourist ausgibt und falsche Identitäten annimmt. Auf einer Reise lernt Kaftan das polnische Paar Lena und Hubert kennen und verliebt sich in die Frau. Kurz darauf holt ihn die Vergangenheit ein. Wird seine Liebe der Realität standhalten? Arne Körner machte in diesem Jahr seinen Master of fine Arts in Film an der Hamburger Hochschule für bildende Künste.