Gemeinsame Erklärung von Nastassja Kinski und Wim Wenders zum Film Falsche Bewegung
Wir haben unsere Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Film Falsche Bewegung beigelegt. Wim Wenders hat sich bei Nastassja Kinski entschuldigt und ist ihrem Wunsch nachgekommen, die von ihr beanstandete Szene aus dem Film zu schneiden. Beide verbindet der Wunsch, dass die Erinnerung an den Film künftig nicht länger von diesem Konflikt überschattet wird und auch der lange freundschaftliche Umgang wiederhergestellt wird.
30. Juli 2026
Statement von Wim Wenders zum weiteren Umgang mit Falsche Bewegung
Ich nehme Nastassja Kinskis heutige Perspektive ernst.
Sie blickt auf eine Erfahrung zurück, die sie als Dreizehnjährige gemacht hat
und die sie belastet.
Dafür habe ich mich bei ihr entschuldigt.
Diese Entschuldigung war und ist
Ausdruck persönlicher und zwischenmenschlicher Verantwortung.
Mir war wichtig,
dem mit 3 Filmen langen gemeinsamen Kapitel unserer beider Leben
und unserer langjährigen Freundschaft gerecht zu werden.
Für das, was in meiner Verantwortung liegt,
habe ich eine persönliche Entscheidung getroffen.
Die Wim Wenders Stiftung
hat Falsche Bewegung bereits aus der Auswertung genommen.
Ich habe beim Deutschen Filmpreis angekündigt,
die Debatte über den Umgang mit historischen Filmwerken
gemeinsam mit anderen führen zu wollen.
Diesen Dialog halte ich weiterhin für notwendig.
Die Entscheidung über diese Szene kann ich jedoch nicht an Institutionen, Gremien oder eine spätere Debatte delegieren.
Als Regisseur trage ich dafür selbst Verantwortung
und als Regisseur habe ich deshalb entschieden,
dass Falsche Bewegung in seiner bisherigen Fassung
nicht wieder öffentlich zugänglich gemacht werden soll:
Die entsprechende Szene ist ersatzlos geschnitten
und wird künftig nicht mehr Bestandteil des Films sein.
Ich habe damit die Konsequenz gezogen, die ich persönlich ziehen konnte.
Ich habe die Szene als Ausdruck meiner veränderten Sichtweise
und aus Respekt gegenüber Nastassja Kinski gelöscht.
Die neue Fassung wurde ihr angekündigt
und zur Sichtung zur Verfügung gestellt.
Ich wünsche uns, dass aus diesem schmerzhaften Konflikt etwas entsteht,
das über uns beide hinausweist.
Er macht deutlich, wie wichtig Schutz und Verantwortung am Filmset sind.
Zugleich wirft er Fragen auf,
die weit über unseren persönlichen Fall hinausreichen:
Wie gehen wir heute verantwortungsvoll mit Werken um,
die unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen entstanden sind,
ohne die Erfahrungen der beteiligten Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Die Wim Wenders Stiftung wird den bereits begonnenen Dialog
über Verantwortung, Film-Erbe und die Einordnung historischer Werke gemeinsam mit Partnern aus Film, Kultur und Wissenschaft weiterführen.
Wim Wenders, 23. Juli 2026
